Betrachtungen

Mai 2017

Volksbefragung also

Die Umfahrungsgegner stellen Plakate auf und fordern darauf eine Volksbefragung zur Umfahrung.

Um es konkreter zu beschreiben: NICHT Betroffene wollen den Betroffenen ihr Recht auf eine gesundes Lebensumfeld absprechen.

Oder noch konkreter:  Jene die den Verkehrsanstieg mit verursachen und von der Umfahrung erwiesenermaßen nicht betroffen sind sprechen den Betroffenen, oft schon seit Hunderten Jahren ansässigen Anrainern ihr Recht auf ein gesundes und sicheres Lebensumfeld ab.

Heuchlerisch?

Sie haben den Verkehrsanstieg, die Zersiedelung der Orte und das Versiegeln von fruchtbarem Boden mit verursacht. Sie waren nicht gegen die Errichtung der S1, da haben sie brav die Hand aufgehalten. Sie bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule und pendeln jeden Tag nach Wien rein und wieder raus. Sie hätten sich ohne Autobahn und Schnellstraße wahrscheinlich gar nicht bei uns angesiedelt. Die Fahrzeit von über eine Stunde über die Bundesstraßen nach Wien hätte für eine natürliche Eindämmung des Zuzugs und des Verkehrsanstiegs gesorgt. Der Stau ist ein der besten Verkehrsregelungsmaßnahmen. Autobahn und Schnellstraße wurden jedoch gebaut und wir haben jetzt diese hochrangigen Verkehrsträger direkt vor der Haustüre. Und damit auch Jene die zwar wegen der Straßen hier sind, aber offensichtlich nur Straßen befürworten die sie auch selbst täglich benutzen.  Man könnte das auch als heuchlerisch bezeichnen.

Abgekapselt

Sie wissen nicht wie es ist, wenn man jeden Tag mit der Angst lebt, dass die eigenen Kinder Opfer dieser Verkehrslawine werden. Mittlerweile wird in unserem Ort jedes Jahr mindestens ein Kind angefahren. Die Auto- und LKW-Fahrer sind rücksichtsloser denn je. Im täglichen Kampf um Sekunden spielen die Gesundheit und die Sicherheit der Anrainer, Radfahrer und Fußgänger keine Rolle. Es zählt nur das eigene Vorankommen. Und der sicherste und ruhigste Ort auf der Straße ist Gott sei Dank im eigenen Auto.

Völlig abgekapselt von der Umgebung haben die Auto- und LKW-Fahrer keine Vorstellung was der von ihnen verursachte Lärm und die von ihnen ausgehenden Gefahr für die Anrainer bedeutet. Sie haben keine Ahnung was die Anrainer Tag für Tag von früh bis spät mitmachen. Neben den direkt nicht sichtbaren aber nachweislich gesundheitlichen Schäden wie Schlafstörungen, Atemwegserkrankungen und erhöhte Herzinfarktrate steht vor allem die Sorge um die Kinder im Vordergrund. Genau wie die Autofahrer von ihrer Umgebung abgekapselt sind und die selbst verursachten Probleme nicht wahrnehmen, sind offenbar auch die Umfahrungsgegner abgekapselt von den selbst verursachten Problemen.  Sie hocken in ihren ruhigen Siedlungsstraßen hinter ihren Thujensträuchern und machen sich einen Spaß daraus die dringend notwendige Entlastung der Anrainer zu verzögern.

Die nüchterne Betrachtung

Genauso wie die Autofahrer im Geschwindigkeitsrausch am Ego-Trip durch den Ort rasen, erwähnen sich manche in einem heimatfilmhaften Heldenkampf „Naturschützer gegen böse Betonierer“, phantasieren von Autobahntrassen und von einem zubetonierten „Tal“ (Heimatfilm!). Die Umfahrung ist bei nüchterner Betrachtung und vor allem im Vergleich zu den bereits erwähnten Autobahnen und Schnellstraßen ein relativ kleiner Eingriff. Es wird lediglich eine bestehende einspurige Landesstraße aus dem Ort verlegt. Nach den Prognosen des Einreichprojekts kommt es in Mollmannsdorf, Kleinrötz und Seebarn zu keinen Lärmzunahmen. In Seebarn und Stetten kommt es entlang der Hauptstraße L33 sogar zu Lärmpegelabnahmen. Durch die Umfahrung werden nicht wie seitens der Gegner 20ha sondern in Summe für die B6, Landesstraßen, Gemeindestraßen, Feldwege, Böschungsflächen, Mulden, Bankette und Ausgleichsflächen 17,5ha benötigt. Die tatsächlich versiegelte Fläche beträgt circa 6,7ha. Im Gegenzug werden großzügige Ausgleichsflächen also neue Naturräume geschaffen. Neben Baum- und Strauchgehölz werden auch Trockenwiesen und eine Kirschbaumallee angelegt und dadurch die Straße in die Landschaft integriert.

Die Notwendigkeit

Die betroffenen Anrainer erwarten sich zu Recht eine schon seit Jahren notwendige Entlastung.