Lärm macht krank

Herz- und Kreislauferkrankungen

Lärm wirkt auf das Herz-Kreislaufsystem ein und kann sogar zum Herzinfarkt führen. Zu diesem Schluss kommt das Umweltbundesamt im Jahr 2006 in einer Auswertung epidemiologische Studien. Fazit der Studie: Wenn die Lärmbelastung durch Straßenverkehr am Tage über 65 dB (A) liegt, steigt die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems deutlich an.

Schlafstörungen

Die Gesamtschlafzeit ist durch nächtlichen Verkehrslärm verkürzt (ab Mittelungspegeln von 45 dB(A) am Ohr des Schläfers) und die Einschlaf- und Tiefschlaflatenz verlängert. Darüber hinaus werden ab einem Maximalpegel von 45 dB(A) vermehrt Arousal-Reaktionen (unterbewusste Aufwachreaktion; das heißt, die Person kann sich nicht daran erinnern, kurzzeitig wach gewesen zu sein), Schlaf-stadienwechsel und Aufwachreaktionen hervorgerufen.

Hormonelle Reaktionen

Sowohl kurzfristige als auch dauerhafte Lärmbelastung kann erhöhte Konzentrationen der Aktivierungshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol in Körperflüssigkeiten zur Folge haben. Diese Hormone können Stoffwechselvorgänge, die Regelung lebenswichtiger Körperfunktionen und das Immunsystem beeinflussen. Bereits bei Maximalpegeln von 55 dB(A) am Ohr des Schläfers wurden im Experiment Veränderungen im Rhythmus der Cortisolausscheidung gefunden.

Intellektuelle Leistungsfähigkeit

Lärm beeinträchtigt die schulische Leistungsfähigkeit von Kindern. Das belegen neuere Studien aus vier Ländern der europäischen Union in der so genannten RANCH Studie, in der etwa 2800 Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren untersucht wurden. Demnach sind die Lernfähigkeit und die Gedächtnisfunktionen signifikant verschlechtert, wenn Schulen in einem mit Fluglärm belasteten Gebiet liegen. So vermindert sich die Fähigkeit zum verständnisvollen Lesen ab einem äquivalenten Dauerschallpegel von 50 dB(A) am Tag (Lärm im Freien außerhalb der Schule) deutlich. In einer früheren Münchner Studie an 350 Kindern im Altern von neun bis zehn Jahren in der Nähe von Flughäfen war unter anderem eine Verminderung der Motivation zum Lösen verschiedener Aufgaben gefunden worden.
Epidemiologische Studien zur Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit Erwachsener liegen nicht vor, wohl aber experimentelle Studien, die nahe legen, dass die Leistungsfähigkeit Erwachsener ebenfalls beeinträchtigt wird.

Sprache und Kommunikation

Lärm kann Gespräche stören oder sogar beenden, wenn er lauter ist als das gesprochene Wort. Untersuchungen an der Universität Oldenburg zu Lärm in Klassenzimmern zeigen, dass Störgeräusche dazu führen, dass sich Zuhörer stärker konzentrieren müssen. Bei lauter Umgebung bekommen Kinder nicht nur weniger mit, sie behalten auch weniger.

Soziales Verhalten

gähnendes kind in der schule

Lärm kann auch das Wohlbefinden und das soziale Miteinander beeinträchtigen. Eine österreichische Studie aus dem Jahr 2002 untersuchte den Einfluss des umweltbedingten Lärms auf rund 1400 Kinder zwischen acht und elf Jahren. Der Umwelt-Lärm wirkte sich deutlich auf das Verhalten der Kinder in der Schule aus, und zwar nicht nur auf ihre Leistung, sondern auch ihr soziales Verhalten und ihre Konzentrationsfähigkeit. Dabei zeigte sich: Je lauter die Umwelt desto größer war der Einfluss auf die psychische Gesundheit. Die vom Lehrer vorgenommene standardisierte Schulleistungs- und Schulverhaltensbeurteilung zeigte eine mit der Lärmbelastung kontinuierlich abnehmende Punktezahl. Die Lärm belastete Schülergruppe berichtete über mehr Stresssymptome im täglichen Leben, hatte einen stärkeren Anstieg der Herzfrequenz auf Stressbelastung, einen höheren Ruheblutdruck und erhöhte Nacht-Urin-Werte bei zwei Stresshormon-Parametern.

Atemwegserkrankungen

Straßenverkehrsbelastungen sind prinzipiell eine Kombination von Lärm und Abgasen. Einer Studie zur Bronchitis bei Kindern zufolge ist die Häufigkeit von Bronchitis durch kombinierte Belastung mit Kfz-Lärm und Abgasen stärker erhöht als durch Abgase allein. Da die Gesundheitsfolgen der Wechselwirkung von lärmbedingten Stressreaktionen in der Nacht und Abgasen bisher nicht genügend untersucht wurden, sind entsprechende Studien sinnvoll.

Belästigung

Unter Belästigung versteht man eine unerwünschte Beeinflussung menschlichen Erlebens und Verhaltens, die zum Beispiel die Arbeit, die Kommunikation und des körperliche Wohlbefindens stören kann. Chronische Belästigungen können auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Welcher Pegel als belästigend empfunden wird, ist individuell unterschiedlich. Bei einer Grenzwertsetzung muss politisch entschieden werden, wie viel Prozent belästigter Personen die Gesellschaft tolerieren will. Aus Sicht von Experten können erhebliche Belästigungen vermieden werden, wenn die mittleren Schallbelastungen (Mittelungspegel) außerhalb der Wohnung am Tage 55 dB(A) und in der Nacht 45 dB(A) nicht überschreiten.

Besteht zwischen Belästigung und Erkrankung ein Zusammenhang?

In der so genannten LARES-Studie am Berliner Zentrum Public Health (Technische Universität Berlin) wurde der Zusammenhang zwischen Belästigung und Erkrankungsrisiko in Bezug auf Fluglärm untersucht. Die Auswertung zeigt, dass bereits chronische mittelmäßige Belästigung durch Fluglärm für Erwachsene mit einem erhöhten Risiko für Bronchitis, Depression und Migräne verbunden war. Die Auswertung hinsichtlich starker Belästigung zeigt, dass starke chronische Fluglärmbelästigung als eine ernstzunehmende Gesundheitsgefährdung eingestuft werden muss. Die Erkrankungsrisiken hinsichtlich Asthma, Bronchitis und Bluthochdruck sind ebenso stark erhöht, wie die Risiken für indirekte respiratorische und kardiovaskuläre Krankheitssymptome und Depressionen.

Lärm: Krach, der uns krank macht – Helmholtz Zentrum München (pdf 3,1MB)

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