Bist du deppert! Das Transkript

Sendungsmitschrift  „Bist du deppert!“ vom 16.01.2018 20:15 auf Puls4

Die Sendung ist abrufbar unter: puls.com

Gerald Fleischhacker: Jetzt kommen wir aber, Gery und das ist dein Spezialgebiet – zu einer Umfahrung die etwas ganz besonders kann.

Gery Seidl: Die ist was ganz besonderes, sehr richtig. Diese Umfahrung ist nämlich gar nicht da, obwohl sie seit Jahren gebaut wird und kann aber dafür Häuser verschwinden lassen.

Angelika Niedetzky: Na, Hea auf!

Gerald Fleischhacker: Ja Häuser verschwinden lassen. Sie ist noch nicht hier, weil da hat‘s ein Flugblatt gegeben in Harmannsdorf, vom Bürgermeister. Es wird seit langem diskutiert diese Umfahrung, und der hat in der Gemeinde verlautbart: „Es is alles tulli, die Umfahrung kann endlich gebaut werden, die Häuser kommen weg“.  [FALSCH!] Einziges Problem: die, die in den Häusern wohnen, hobn nix davon gewusst!

Beitrag

Gery Seidl: So schreite ich hier des Weges und sehe, sie müsse Professor Fields sein?

Fields: Richtig.

Gery Seidl: Grüß Gott, Hallo

Fields: Grüß Gott

Gery Seidl: Grüß Gott, Seidl. Warum wohnen sie überhaupt noch hier?

Fields: Eine interessante Frage. Warum ich hier wohne? Weil ich mich hier wohl fühle, weil ich hier zu Hause bin, weil das mein Familienbesitz ist, mein Geburtshaus und hier habe ich Wohnrecht.

Gery Seidl: Aber müsste ihr Haus nicht schon längst dem Umfahrungsprojekt gewichen sein?

Fields: Ein Umfahrungsprojekt? Ja, davon wird gesprochen, aber das wird sich nicht durchsetzen.

Gery Seidl: Sie wurden aber durch eine Postwurfsendung informiert, und zwar vom 20. September 2017 vom Bürgermeister Norbert Hendler. Darf ich kurz vorlesen: „Für weiteren Umsetzungsschritte war es notwendig, zwei Ersatzwohnungen für diejenigen Bürgerinnen und Bürger zu Verfügung zu stellen, die direkt von der Schaffung der Umfahrung betroffen sind. Die beiden gefundenen Ersatzwohnungen wurden vom Gemeindevorstand mit einer breiten Zustimmung der Gemeindevorstände beschlossen.“

Fields: Das ist hochinteressant was sie mir da vorlesen. Das ist mir neu und das wurde so nie besprochen.

Gery Seidl: Sie wollten’s nicht lesen

Fields: Nein, das wandert sofort in den Mülleimer. Werbung lese ich keine.

Gery Seidl: Vernünftig. Das heißt, sie sind jetzt nicht drauf und drann ihre Koffer zu packen und in die Ersatzwohnung umzuziehen?

Fields: Meine Koffer packe ich nur wenn ich auf Urlaub fahre.

Gery Seidl: Na ja aber das ist eigentlich logisch aber auch komisch wenn der Bürgermeister das so sagt. Aber da sollten wir vielleicht ganz an den Anfang der Geschichte gehen.

Harmannsdorf-Rückersdorf. Diese kleine, idylische Gemeinde im Weinviertel hat nämlich ein Problem.  Mitten durch den Ort führt die B6 auch Laaer Straße genannt. Eine der Hauptverkehrsadern in dieser Gegend. Ungefähr 50 Kilometer lang führt sie von Laa an der Thaya bis nach Korneuburg. Wer also von hier nach da will, der muas do durch.

Man könnte natürlich auch die Autobahn A5 nehmen, die vielleicht für manche einen zu großen Umweg darstellt. Aber unter uns, ich glaube die Brummifahrer wollen sich einfach nur die LKW Maut sparen. Und darum fahren halt alle lieber gemütlich durch die Ortschaft.  [FALSCH!]

Die Frage ist: muss das so sein? Nein! Deshalb wird auch seit Jahrzehnten darüber geredet und seit über zehn Jahren eifrigst daran geplant.

Worüber eigentlich? Die Umfahrung der B6. Nur da, is noch nix, denn das ist ein Rübenacker. Erkennt jedes Kind. Dabei wurde vor fünfzig Jahren zum ersten Mal darüber gesprochen. Hat doch vor fünf Jahren der ehemalige Landeshauptmann Erwin Pröll – Servus Erwin No? Vü Zeit in der Pension, Hä? Ha! Da werden die Tage lang – persönlich den Spatenstich vorgenommen.  Na ja, aber es ist schon komisch, das ein Landeshauptmann 2013 einen Spatenstich für die Umfahrung derB6 macht und ein Bürgermeister vier Jahre später die Leute durch eine Postwurfsendung in Kenntnis setzt, dass ihnen hier bald nicht mehr gehören wird. Die aber leider davon nix wissen. Das geht sich doch alles nicht aus.

Jetzt aber die Gretchefrage. Könnte es einen gemeinsamen Grund haben? War doch nur wenige Wochen nach dem Spatenstich die Niederösterreichische Landtagswahl. Und jetzt, im Jahr nach der Postwurfsendung, was glauben sie? Na wieder eine Landtagswahl. Es fällt halt was auf.

Aber das bringt uns zur nächsten Frage, nämlich: macht diese Umfahrung heute überhaupt noch Sinn? Ich meine nur weil seit vielen Jahren etwas geplant ist, muss das heute noch stimmen? Da hat sich doch vieles geändert in den letzten Jahren. Und was, das schauen wir uns jetzt einmal an.

Geplant ist diese neue Straße genau hier. Da drüben haben wir die B6 und hinter mir die eigentlich sehr gut ausgebaute L33  dazwischen sind zweieinhalb Kilometer, und genau hier soll die dritte Straße verlaufen. Aber wie sagt man so schön, das ist doch ein Vollholler.

Das sag aber nicht ich, sondern Dr. Kretschmer, beziehungsweise das Verkehrsgutachten das von der Bürgerinitiative in Auftrag gegeben wurde.

Dr. Kretschmer: Der von uns beauftragte Gutachter, Dr. Frey hat festgestellt, dass es nicht weniger sondern mehr Verkehr geben wird, wenn das Projekt realisiert wird. Und zwar nicht nur in der Region, sondern auch innerhalb der Ortschaft. [FALSCH!]

Weiters wird sich die Sicherheit des Verkehrs verschlechtern, weil zwei niveaugleiche Bahnübergänge gekreuzt werden müssen. [FALSCH!] Weiters, äh, ergeben die Verkehrsprognosen nicht unbedingt die Notwendigkeit für diese Umfahrung. [FALSCH!]

Gery Seidl: Na ja, und dann gibt’s auch noch das liebe Geld, und das schauen wir uns jetzt an.

Also was wird da jetzt eigentlich gebaut auf diesen sechs Kilometer? „Eine Straße“ Ja, eine Straße, ok,  gut. „zwei Bahnübergänge“ Ja, zwei Bahnübergänge, und? „und sieben Brücken“ Ja halt die Klappe!  [Seidl singt:] „Über sieben Brücken  musst du gehen“. Insgesamt soll diesen Projekt übrigens von wegen sieben, siebenundzwanzig Millionen kosten. Aber ich geh jede Wette ein, dass es voraussichtlich teurer werden wird.  Aber kann‘s vielleicht ein bisserl weniger sein? Wenn eh schon zwei Straßen da sind?

Die Experten sagen Ja.  Man müsste nur die B6 durch Harmansdorf ein bisserl unattraktiver gestalten. Zum Beispiel eine Schwelle, oder eine Ampel die den Durchzugsverkehr kurz anhält, oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Aber nix ist auf der Strecke durch Harmannsdorf bis jetzt passiert. Warum? Weil es seit Jahrzehnten heißt: „Na jo, do kummt eh die Umfahrung“

Natürlich gibt’s ein Durchfahrtsverbot für LKWs aber es ist jeden Wurscht. Weils keine Schwerpunktkontrollen gibt. [FALSCH!]  Herr Inspektor, umdrehen!

Aber Harmannsdorf hat ja noch ein ganz anderes Problem, das ja nicht unwesentlich ist, nämlich 8,9 Millionen Euro Schulden. Und jetzt müssten sie noch 450.000 Euro aufnehmen um Grundstücke einzulösen.

27 Millionen Euro soll die Umfahrung kosten, das können wir vielleicht noch verhindern, was die Planung bis jetzt verschlungen hat an Geld, wollte uns weder die Gemeinde noch das Land verraten. Es dürfte ein gut gehütetes Geheimnis sein. Na ja, so ist es halt laut Bürgermeister, dass die Umfahrung auf jeden Fall kommen wird… seine Wahrnehmung. Er hat aber auch gesagt das der Herr Professor gerne auszieht [FALSCH!] Er dürfte eben eine eigene Wahrnehmung haben.

Ende Beitrag

Gerald Fleischhacker: Gery Seidl und eine weitere Umfahrung bei Bist du deppert! Die wir aber noch verhindern können. 27 Millionen könnten wir uns ersparen.

Gery Seidl: und werden. Also ich glaub nicht das die kommen wird, weil es ist wirklich unleistbar  [FALSCH!]  Und äh der Herr Professor ist sehr tapfer (sehr tapfer sind vor allem die die B6 als Fußgänger und Radfahrer benützen wollen oder müssen, in erster Linien die Kinder) und ein ganz ein lieber Kerl muss man wirklich dazu sagen und äh ich sag einmal es scheitert wie so oft an der Kommunikation. Weil wenn man natürlich anders an das Projekt, also ich stell mir nur vor, wenn ich dort wohn und dann krieg ich ein Flugblatt und da dort kann ich darauf lesen, das ich mein Haus do weg gerissen wird ähm und ich kann in eine Wohnung ziehen bin ich einmal säuerlich. Also da kenn da niemanden der da sagt, na jo – dann foan ma.

 

Gregor Seberg: Weißt was ich nicht verstanden habe, verkehrstechnisch? Der Sprecher der Bürgerinitiative hat gesagt, wenn die Umfahrung gebaut wird, hat man im Ort mehr Verkehr..? [betroffenes Schweigen]

Gerald Fleischhacker: Ja weil es zusätzlich, äh ff LKWs und Autos anlockt.

Gregor Seberg: Ach anlockt? Die sagen: He do gib‘s a super Umfahrung und ganz vorne sags dann: Jeh! vorma durch’n Ort.

Angelika Niedetzky: Aber den Ort tat i a gerne segn.

Gerald Fleischhacker lenkt ab: Dann gibt’s sogar drei Straßen auf denen du fahren kannst. Net, jetzt gibt’s die A5, wo die Vermutung nahe liegt, dass die LKW-Fahrer, oder viele davon sich einfach die LKW-Maut ersparen. [FALSCH!]  Weil es wär a bissl an Umweg dort zu fahren. [FALSCH!]  Dann gibt’s die andere ausgebaute Straße und dann gibt’s no a dritte.

Gregor Seberg: No a dritte?

Gerald Fleischhacker: ja

Gregor Seberg: Man könnte auch am Ortseingang einen großen zwölfeckigen Blechkubus… (allgemeines Gelächter und Geplänkel)

Gerald Fleischhacker: Na, die Diskussionen im Ort sind natürlich hin und her, also weil die einen sagen das ist seit vierzig Jahren in Planung, das soll jetzt auch gebaut werden, auf der anderen Seite gibt’s die die sagen nur weil etwas seit vierzig Jahren geplant ist muss es net super sein, i bin seit vierzg Joa verheirat, net, also.. zum Beispiel, das versteht man, ja

Rudi Roubinek: Was ich noch sagen kann, also äh es steckt kein Gesamtkonzept dahinter. Also ich foa diese Strecke wann ich die Mutti besuch, denn die Mutti wohnt in Laa, ned,  und oberbei von Harmannsdorf-Rückersdorf, also nördlich davon wurden schon einige Umfahrungen um Ortschaften gebaut. Net? Das heißt also oben geht’s donn geschmeidiger weider. Also Richtung Laa.

Gregor Seberg: I sog nur mehr oberbei

Rudi Roubinek: wie sogst du?

Gregor Seberg: Oberbei

Rudi Roubinek: Oberbei? Oberbei, also nördlich davon.

Gery Seidl: Das blöde is jo, mit drei, vier, fünf Schildern und solchen äh Mugeln, das kostet ja wirklich im Verhältnis dazu gar nichts.

Gerald Fleischhacker: Ja das Problem eben, ums nochmal auf den Punkt zu bringen, momentan gibt es keine Kontrolle bei der Durchfahrt, oder zumindest keine Schwerpunktkontrollen, hat uns die Polizei gesagt, es gibt ka Ampel, es gibt ka Fahrverbot, oder keine Mugeln,..

Gery Seidl: Es ist sehr attraktiv da durchzufahren..

Gerald Fleischhacker: da kannst einfach durchpfeifen. Was uns zum Punkt bringt, dass wir ja sagen können: wenn man nur Kleinigkeiten an einer Straße ändert, dann kann man das durchaus beweisen, dass es schwieriger ist für einen LKW durch zu fahren. Das möchte ich jetzt ganz gerne, ähm demonstrieren. [Aufbau Umfahrung im Studio und Vorführung Puls4 Plastik-LKW..]

Gerald Fleischhacker: Man sieht, nur ein bisserl investieren und es fahrt kein LKW mehr durch.

Also. 27 Millionen könnten wir uns sparen, ein paar kleine Hindernisse helfen schon wie wir gerade gesehen haben. Der Bürgermeister ist natürlich anderer Meinung, er hat uns gesagt: „Man kann mit alternativen Maßnahmen den Verkehr nicht reduzieren. Eine Radarbox wird das Problem nicht lösen, denn mit den Tempolimits kommen ja nicht weniger Autos sondern nur langsamer.“

Gery Seidl: Hamma auch nicht gmeint! [FALSCH!]

Gerald Fleischhacker: eh nicht (Rudi Roubinek der offensichtlich als einziger die Situation vor Ort kennt presst angesichts dieses Schwachsinn sichtbar die Lippen zusammen..) Wir haben gemeint Sackerl drauf hauen.

 

Weitere Informationen

Einen Faktencheck in Kurzfassung finden sie unter Bist du deppert!

Eine genauere Analyse und Objektivierung erfolgt aufgrund des Umfangs unter Bist du deppert! Der Faktencheck

Advertisements